Montag, 1. August 2016

Geschrieben am Samstag den 30.07.2016

Da war er nun, dieser Abschied. Wie soll man ihm gegenüber treten? Wann fängt man an ihn zu realisieren? und ist es ein Abschied für immer?

Da steht es dir nun bevor, dieses Deutschland. Hat es sich verändert? Hast du dich verändert? Wird es lang dauern, dort anzukommen? und erscheint Sambia dir von dort aus als unecht und irreal?

Da warten sie nun auf dich, die ganzen Fragen der Anderen. Werden sie dich stressen? Findest du passende Antworten? und ist es überhaupt möglich, auf die Frage "wie wars?" eine kurze zusammenfassende Antwort zu formulieren?

Da kommt sie nun langsam, die Aufregung.

So viele Erlebnisse, die du aus dem Jahr mitnehmen darfst. So viele Erwartungen, die du an Deutschland hast. So viele Vorhaben, die du dir selbst gesetzt hast... nicht nur einfach wieder kommen in eine alte, bekannte Welt, sondern eine altbekannte Welt vielleicht auch nochmal ganz neu entdecken müssen.

Vor einem halben Jahr haben Meret und ich uns noch darüber unterhalten, ob es diese Abrundung, dieses Gefühl von "ich bin hier fertig", dass ich mir immer so gewünscht hatte, überhaupt geben wird. Vor einem halben Jahr habe ich noch gedacht, dass es irgendwie auch ganz schön wäre, schon ein bisschen eher nach Hause zu können. Vor einem halben Jahr, war dieser Moment, in dem ich am Flughafen in Dar es Salaam sitze, den wohl ekligsten Cappuccino aller Zeiten trinke, auf meinen Anschlussflug nach Nairobi warte, wo ich dann endlich Marius wieder sehe, dieser Moment war noch Meilen weit entfernt.

Nun freue ich mich total, dass ich auf die Frage "hat es dir gefallen?" mit voller Überzeugung antworten kann: "Ja, es war ein unfassbar tolles Jahr." Ich freue mich das Gefühl zu haben, genau diesen Abschluss, diese Vollendung zu verspüren. Nun hatte ich eher das Gefühl, ich hätte auch noch ein paar Tage länger in Kasama bleiben können, im Gewohnten, in meinem Alltag, bevor mir wieder die "Anstrengungen" des Neuen bevorstehen. Jetzt sitze ich hier und weiß nicht, wo die Zeit geblieben ist.

Ein Jahr weg von Zuhause, ein Jahr in Afrika, ein Jahr in Kasama, ein Jahr ein entwicklungspolitischer Freiwilligendienst... das war krass... wir sind krass!!


Definition "krass": (Jugendsprache) verwendet, um auszudrücken, dass jmd. oder etwas als sehr positiv eingeschätzt wird. -www.thefreedictionary.com-  



Sonntag, 17. Juli 2016

Ein letztes Mal...

...kochen für die Nonnen...
 
...spielen mit den Kids...
 
...Spuren hinterlassen...
 
...community genießen...
 
...Meliti und Polina sein...
 
 
...Ein letztes Mal...
Genießen
Beobachten
Wahrnehmen
Zulassen
Fühlen
Sein!
 ...hier in meiner kleinen sambischen Welt.
 

Sonntag, 10. Juli 2016

Familie zu Besuch!

Mit vier Stunden Verspätung der Tazara, erreichte der hohe Besuch dann endlich Kasama. "Wir sind schon Tuk Tuk gefahren", "Die Avocados hier sind ja der Hammer","wir haben Stunden lang am Fenster gesessen und nur den Kindern zugewunken", "wir mussten in ein Loch pinkeln"... völlig aufgewühlt und angetan vom african way of life fielen sie mir in die Arme, das langersehnte Wiedersehen nach zehn Monaten.

In Kasama lernten sie dann mein Projekt kennen, die Nonnen, mein Zuhause und meine Freunde. Als ich sie mit ins Tetekela nahm, waren sie verantwortlich für die Kinderbelustigung. Meine Kinder begrüßten sie herzlich und als sie den Fangesang "Eja BVB" anstimmten, war meine Familie zu Tränen gerührt. Was Fußballgejodel doch auch emotional sein kann... Zum Entertainment hatten meine Brüder Seifenblasen mitgebracht. Nachdem dann ein wenig den Bläschen hinter her gelaufen wurde, die Jungs ihre Fußballkünste beweisen mussten und Sebastian bedrückt feststellte, dass die Kids Kopfstand viel besser konnten als er, machten wir uns wieder auf den Weg. Wir machten einen Ausflug zu den Chishimba falls und genossen die Naturschönheiten Sambias, gingen auf den Markt und holten uns eine Brise Muzungu-Schreie ab, probierten Zuckerrohr, shoppten Chitenge und aßen bei den Nonnen zu Abend, natürlich eine ordentliche Portion Nshima mit den Händen. Sebastian als Ältester durfte sogar das Hühnchen auseinander reißen, nur die Raupen, die waren leider schon aufgegessen, sodass meine Familie nicht mehr in den herrlichen Genuss kam, wie ich es mir so sehr gewünscht hatte.

 
 

Am Wochenende ging es dann weiter in die Hauptstadt. Die erste Busfahrt für meine Familie und direkt volles Programm: Ein Breakdown mit fünf Stunden Verspätung, viele Menschen auf engem Raum, Sitze wo gerade die halbe Pobacke drauf passt... naja muss man ja alles mal erlebt haben, berichteten sie später sehr tapfer. "Nuri Sahin" begrüßte Papa uns im Backpackers. "Mulli shani" antworteten wir, die ja nun schon etwas in Sambia verweilt waren und somit wussten, dass der Fußballspieler nicht nach einer Bemba-Begrüßung benannt ist. Er hatte die anderen Freiwilligen Meret, Max, Flora und Onno bereits kennengelernt, die zufällig im selben Zeitraum das Backpackers gebucht hatten und erzählte völlig aufgelöst, dass er schon ein Bier ohne Wasser getrunken habe. Man, was Afrika alles für neue Seiten und Vorlieben am Menschen entdecken lässt... "Ich habe im Flugzeug, wenn ich schnell genug war, immer direkt noch ein zweites Glas Wasser hinterher bekommen für lau" und "den Präsidenten habe ich auch schon gesehen, in einem dieser Autos auf dem Foto hat er gesessen", so erzählte auch Papa von seinen ersten aufregenden Momenten auf seiner Afrikareise.

"Heißer Safari" ging es dann weiter im Nationalpark. Eine Vielfalt an Tieren konnten wir beobachten und eine Augenweide an Natur, nur ein Kill blieb uns verborgen, was Christopher sehr bedauerte.

 

Unser letzter Stopp, der wunderbaren Familienreise, war Sansibar. Wie genossen das Türkisblaue Wasser, das Palmenpanorama und das Schlürfen der Kokosnüsse. Hakuna Matata, so ist das Motto der Insel und ganz getreu dem Motto verbrachten wir unsere letzten gemeinsamen Tage.

 

Es war unglaublich schön meine Familie hier zu haben, ihnen ein Stück meiner kleinen Welt hier zu zeigen, mit ihnen Neues auf diesem großen, faszinierenden Kontinent zu entdecken und zu sehen, wie sie sich in den ganz eigenen Lebensstil hier langsam einleben.

Nun bin ich seit einer Woche zurück im Projekt. Noch zweieinhalb Wochen stehen mir hier bevor, bevor meine Zeit in Kasama vorüber ist und ich mich auf eine Abschlussreise mit Marius nach Kenia begebe. Time flys. Zweieinhalb Wochen in denen ich mich noch voll und ganz auf das Leben hier und den Abschied zu all dem konzentrieren kann, bevor mein Jahr zuende geht.

 

 

Sonntag, 12. Juni 2016

Dieser Moment

Dieser Moment, wenn du auf dem Weg vom Markt nach Hause bist, völlig wo anders mit deinen Gedanken, alle Schulen aus haben und dir zwei von deinen Tetekela-Mädels in die Arme laufen und dir mit breitem Grinsen im Gesicht einen schönen Tag wünschen.

Dieser Moment, wenn du eine Mathe Aufgabe nach der anderen an die Tafel schreibst, die Kinder sie alle voller Enthusiasmus lösen, die Unterrichtszeit eigentlich schon vorbei ist und du Schluss machen willst aber die Kinder auch nach der angekündigten aller letzten Aufgabe noch "Madame, laaastii" rufen.

Dieser Moment, wenn ihr durch die Stadt lauft, euch eine eurer Schwestern mit dem Auto entgegen kommt, anhält und fragt "What are MY CHILDREN doing here?"

Dieser Moment, wenn ihr gemeinsam mit einem eurer Schüler nach Haus lauft, er zu einem Gate läuft, anfängt etwas daran zu kritzeln, du total nervös wirst, da du denkst das sei bestimmt verboten, ihm zurufst "iwe, stop it!", er zur Seite geht und du liest was er geschrieben hat: "Polina, Meliti and Fulola" (Pauline, Meret und Flora)

Dieser Moment, wenn du aus allen Löchern fällst, als du realisierst, dass einer deiner Schüler, bei dem du eigentlich dachtest er könne kaum ein Wort Englisch, gerade ein ganzes englisches Buch nahezu fehlerfrei gelesen hat und du merkst, wie unglaublich stolz du auf ihn bist und wie sich der Stolz in seinen eigenen Augen widerspiegelt.

Dieser Moment, wenn der leistungsschwächste Junge des Centers alle anderen im Double spielen abzieht und am Ende seine 15 Karten zählt, obwohl er das letzte mal noch Schwierigkeiten hatte, bis 10 zu zählen.

Diese Momente, die meine Wochen und Tage hier in Kasama so unvergesslich und einzigartig machen!

Ab Donnerstag werden Momente mit meiner lieben deutschen Familie gesammelt. Sie kommen mich hier in Kasama besuchen und anschließend wird noch Tansania unsicher gemacht. Iiiiiissssccchhh freeeeu miiiiisch!!


Sonntag, 29. Mai 2016

Zwischenbericht nach neun Monaten..

9 Monate! Sicherlich hat Pauline sich dort in Afrika schon richtig was aufgebaut. Sie hat einen festen Freundeskreis, mit dem sie sich regelmäßig trifft, die Kinder sehen sie wie eine Ersatzmami an, es gibt regelmäßige Spielabende mit den Nonnen und vielleicht ist sie sogar zu einem ganz anderen Menschen geworden.

Das sind nicht irgendwelche Erwartungen, das waren meine! So habe ich es mir immer vorgestellt, bevor ich hier her kam.

9 Monate! Regelmäßig triffst du dich mit deinen anderen weißen Freunden. Mit fünf Freiwilligen in einer Stadt ist dein Freundeskreis quasi schon vorbestimmt, ein Besuch bei den deutschen Missionarsfamilien fühlt sich wie Heimat an. Wenn du morgens zur Schule gehst, laufen dir die Kinder freudig in die Arme. Auch du erwiderst es mit einem breiten Grinsen im Gesicht und musst dann anfangen, die Fegearbeiten zu verteilen und dafür sorgen, dass die Toiletten sauber gemacht werden. Zwischenzeitig kannst du mit ihnen rumalbern, im Unterricht musst du lautstark schreien, damit Ruhe herrscht. Mal bist du die ätzende Lehrerin, mal bist du eine liebe Freundin. Die Nonnen sind viel unterwegs, du bist viel unterwegs. Du und deine Mitfreiwillige, ihr habt die Nonnen ein paar mal bekocht, um mehr Zeit mit ihnen zu verbringen aber ein Spielabend fühlt sich irgendwie unpassend an. Mal herrscht bedrückende Stille am Esstisch, mal wird zusammen gequatscht und gelacht als wärt ihr alte Bekannte. Durch das sambische Zeitverständnis hast du an Geduld dazu gewonnen. Sicherlich bist du auch weltoffener und mutiger geworden. Ansonsten reißt du immer noch die schlechten Witze von früher und zeigst keine neuen enormen Stärken und Kräfte auf oder bist innerlich bedeutend gewachsen und gereift.

Das ist nicht irgendein Leben hier in Afrika, das ist mein Leben!

9 Monate! Ich habe die anderen Freiwilligen hier unheimlich schätzen gelernt, merke wie wichtig es mir ist, auch in Zukunft mit ihnen Kontakt zu halten, denn ich bin mir sicher, zurück in Deutschland, werden sie mir ein Stück von dem geben, was mir kein anderer dort geben wird, ein Stück Sambia. Die Momente, wenn eines meiner Kinder mir in die Arme läuft, wenn Unice "Poolino" ruft, Romano versucht mich im Daumencatchen zu besiegen oder der kleine Junior mal wieder mit Ziegenfüßen vor mir steht, werde ich nie vergessen. Oft höre ich Geschichten, wie andere Freiwillige Probleme haben mit ihrem Leben bei Ordensschwestern und bin unglaublich dankbar, dass wir uns so gut mit ihnen arrangieren. Das wir eine Community sind, die Schwestern, Meret und ich. Ich war fast zu Tränen gerührt, als ich eine Mail meiner Koordinatorin bekam, dass die einzige Forderung unserer Schwestern an die neue Freiwillige sei, dass sie genauso wie Meret und ich sein soll. Wenn mich jemand fragt ob ich mich verändert habe, würde es mir schwer fallen das jetzt schon zu beantworten. Ich denke die vielen kleinen Veränderungen, die dieses Jahr im meinem Denken, Handeln und Sein ausgemacht haben, werde ich erst merken, wenn ich zurück in Deutschland bin, Andere mich darauf hinweisen oder ich mich dieser neuen Begabungen bewusst bediene. Wahrscheinlich würde ich aber zunächst einmal antworten "Nein, ich bin immer noch genauso lässig wie vorher!" und jeder würde sagen "okay, die hat sich eindeutig kein Stück verändert."

Ich lebe hier nicht irgendeine Vorstellung, ich lebe mein eigenes, ganz individuelles, schönes Leben. Ein Leben, wie ich es mir nie erdacht hätte aber ein Leben in dem ich mich wohlfühle, für das ich selbst verantwortlich bin und wofür ich die Verantwortung mit Freunden trage. Es läuft nicht immer alles so, wie man sich das ausgemalt hat und mich mit diesem Gedanken anzufreunden, hat mir einige Stunden gekostet aber anders heißt nicht gleich schlechter, diese Weisheit durfte ich Gott sei dank sehr schnell für mich feststellen.

Noch 3 Monate! Viel Zeit mit meinen Kindern, reisen mit meiner Familie, viel Lachen mit den Nonnen, Frühstücken bei Brother Dominik, Charity besuchen, Burger-Abend mit den Krämers, Härtlers zum Kaffee einladen, Sterne gucken mit Meret, Abschiedsgeschenke vorbereiten, Kochen für die Nonnen, Onno in Kitwe besuchen, noch einmal zur Waterfront in Mpulungu, ein Bierchen mit Meret auf dem Klettergerüst trinken und dabei ein Fußballspiel von Kasamaboys auf der anderen Seite der Mauer anschauen, alle Menschen auf Fredi und meiner Sambiaflagge unterschreiben lassen, ganz viele Souvenirs kaufen, Nshima kochen, Juliet zeigen wie man einen Kuchen backt... alles mitnehmen was geht!

Das sind nicht irgendwelche Vorhaben, das ist meine To-do-Liste für die nächsten drei Monate. Es kommt nicht immer alles wie geplant, das weiß ich ja nun aber "es gibt zwei Arten sein Leben zu leben: Entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eins" (Albert Einstein). Auf drei wundervolle letzte Monate!

 

Sonntag, 22. Mai 2016

#nocoffeeinAfrica

Jona postet ein Bild von sich bei Instagram, mit einem Kaffee vom Dönermann. Felix kommentiert, darauf solle er nicht stolz sein, sondern lieber Sport machen, anstatt zum Dönermann zu gehen. Pauline ergänzt auf einen guten Kaffee könne man sehr wohl stolz sein #nocoffeeinAfrica...

80 % aller Konversationen zwischen Meret und mir beinhalten das Thema Kaffee und wie sehr sie sich auf ihren Kaffeevollautomaten und ich mich auf Papas Cappuccino mit Kakaoherz auf dem cremigen Milchschaum freue...

Bei den Skype-Gesprächen mit Merets Eltern kam die Vermissung des guten Kaffees wohl auch öfter zu Wort, so dass ein Paket von Zuhause mit drei Packungen Filterkaffee Kasama erreichte, als es dann zum Geburtstag noch eine Kaffeemaschine von uns dazu gab, fühlte Meret und auch ich, als ihre zufällige Mitbewohnerin (ja die Geschenkidee war komplett selbstlos), uns nahezu wie im Siebtenhimmel...

Ein Besuch bei den deutschen Missionaren und wir hatten den besagten siebten Himmel endgültig erreicht, denn es gab Milchschaum...

Die drei Pakete Kaffee aus Deutschland, waren nach anderthalb Monaten leer. Graue, finstere Tage folgten, der Instantkaffee bot keinen Ersatz...

Auch Familie Leifeld bekam von dem Notstand zu hören und schickte zwei neue Überlebenspakete Kaffee nach Kasama... der gute Faire-Trade-Kaffee... aus dem Einewelt-Laden... eine harmonische Kaffeekomposition, die beste Africa Bohnen aus Afrika und Lateinamerika vereint...
no coffee in Africa?


Kasama ist bekannt für seinen guten Kasama Kaffee. Im Shoprite gibt es ein kleines Regal, wo der Schatz verkauft wird. 80 Kwacha (~ 7,50€) für 500 g. Unsere weißen Missionarsfreunde beglücken uns immer wieder mit einer Tasse von dem leckeren Kaffee. Das Thontree, eine von Weißen geleitete Lodge, ist auch bekannt für die Ausgabe vom Kasama Coffee. Letztens haben wir den Besitzer der Kaffeefarm kennengelernt, Luke ein weißer Sambier...

Sister Mary war die Tage zur Besichtigung auf einer der Kasama Kaffeefarmen. Sie war ganz angetan davon, wie schön sie wuchsen, wie zahlreich, wie hoch, wie prächtig sie waren, die Bananenbäume zwischen den Kaffeebohnen...
#verrückteWelt



Letztes Wochenende war es dann so weit. Schlafsack im Backpack, frisches Brot gebacken als Proviant und Kameras parat... wir fuhren auf die Kasama Kaffeefarm. Ganz nach sambian time machten wir uns um 15:00 anstatt um 9:00 Uhr dann endlich auf den Weg. Im Paradies angekommen besichtigten wir doch ganze 15 Minuten die Kaffeepflanzen, bevor wir uns auf den Weg zu einem nahegelegenen Berg machten, die unendliche Aussicht genossen und anschließend den Abend am Feuer ausklingen ließen. "You knwo how to make a fire?" fragten die Einheimischen uns mit provozierenden Unterton, "of course" antworteten wir vier Mädels und warfen dabei sehr selbstüberzeugt unsere Haare hinter die Schulter... okay das war gelogen, so lange sind meine Haare leider noch nicht gewachsen, um das machen zu können aber wären sie das, hätte ich den Move sicherlich in dieser Situation präsentiert. Ganze 30 Minuten versuchten wir mit vollem Enthusiasmus unserer Kreativität freien Lauf zu lassen und versuchten etliche Zeltlager und Pfadfinder Erfahrungen revue passieren zu lassen, bevor wir unseren Stolz überwunden und die Jungs um Hilfe baten. Schmunzelnd brachten sie unseren Holzhaufen innerhalb von fünf Minuten zum brennen. Wir genossen einen unglaublich beeindruckenden Sternenhimmel und schliefen die Nacht in einer kleinen Hütte auf Maismehlsäcken. Am nächsten Morgen ging es erstaunlicher Weise, wie ausgemacht um 9:00 Uhr zurück nach Kasama. Doof gelaufen, wir hatten den halben Tag noch eingeplant, um Bohnen pflücken zu gehen... wer geht denn bitte auch davon aus, dass 9:00 Uhr Abfahrt 9:00 Uhr Abfahrt heißt! Nicht einmal ein Kaffee zum Wachwerden nach der "entspannten" Nacht ließ sich auffinden... Resultat: Ein Kaffeearmer aber reichhaltig schöner und lustiger Ausflug zur Kaffeefarm!



Sonntag, 15. Mai 2016

Back in town!

Paris Adieu! Meine neue Lieblingsstadt heißt Kapstadt!! Eine wunderschöne Küste, aufregende Begegnungen mit Menschen von aller Welt, ein unglaublicher Blick vom Tafelberg aus und Wein, überall Wein. Was will man mehr?


Schon verrückt, dass auch das ein Teil Afrikas ist, den wir da gesehen haben. Angekommen in Johannesburg wollten wir uns ganz selbstverständlich ein Taxi zur Busstation nehmen, bis wir das Schild "Train-Station" lasen. Züge, schon ganz vergessen dass es so etwas gibt auf der Welt. Wir müssen ausgesehen haben wie die letzten Menschen, als wir unsere Kameras herausholten und anfingen den stinklangweiligen Bahnhof zu fotografieren. Als ich am Ende meine Fotogalerie vom Urlaub durchging, war jedes zweite Foto ein Cappuccino mit Milchschaum, ein Körnerbrot mit Käse oder eine Straße mit echten Straßennamen, Hausnummern und Hochhäusern.

Mindestens genauso verrückt ist es aber, wie schnell man in dieses Leben wieder herein kommt. Am dritten Tag ist der Supermarkt mit Käsetheke wieder stinknormal, man ist genervt, wenn es nur noch den Honig-Müsli- und nicht mehr den Double-chocolate-cookie gibt und der Kellner könnte ruhig mal etwas schneller sein mit dem Cappuccino, ist ja kein großer Akt.


Wir hatten eine super aufregende und vielfältige Zeit in Südafrika. Weinverkostung, Quad fahren, Nationalpark am Kap der guten Hoffnung... langweilig wurde uns nicht. Zurück in Sambia, haben wir uns noch mit ein paar anderen Freiwilligen in Livingstone getroffen, um endlich das Wahrzeichen der Nation zu bestaunen, die Victoriafälle. Mit Kameras bepackt und super aufgeregt fuhren wir zu den Fällen. Wahnsinn dieser Ausblick den wir da hatten... dieser Ausblick auf weißen Nebel. Aber ja irgendwo dahinter mussten sie sein, die atemberaubenden Victoriafälle. Wenn zwischendurch mal ein Loch im Nebelfeld war, wurde die Vermutung bestätigt und man konnte einen kleinen Teil dieser fallenden, endlosen Wassermassen sehen. Am Ende der Besichtigung waren wir selbst zu kleinen Wasserfällen geworden, nur das man bei uns eher zu viel als zu wenig sehen konnte.

 

Zurück in Kasama, war eine der ersten Informationen, die wir erhielten, dass unsere Schule eine Woche später eröffnen würde, da die Schwestern nicht genügend Geld haben, um unsere Kinder durchzufüttern. Eine Reise durch Afrika, kann eine Reise durch Welten sein. Dass die Anreise nach Kapstadt fast zwei Tage gedauert hat, war zwar nur die Unaufmerksamkeit von uns, dass wir einen Flug über Nairobi gewählt haben und uns für den Bus von Johannesburg nach Kapstadt entschieden haben aber ja im Nachhinein fühlt es sich tatsächlich so an, als seien diese Länder auf unterschiedlichen Teilen der Welt verankert, verbunden durch nur eine wesentliche Gemeinsamkeit: "Don´t hurry in Africa!"